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Perlen im August – Raveonettes und neue Sachlichkeit

Raveonettes oder Owl John? Das ist die Frage wenn es um das Album des Augusts (oder sogar des Jahres?) geht. Zwei Alben, die man immer anmachen kann, wenn man nicht weiß, was man anmachen soll. Aus Gründen der Gleichberechtigung schiebe ich Owl John in den September. Bei Raveonettes ist auch die Songauswahl leichter: „Summer ends“ ist ein Welthit. Nur eine große Band schreibt einen zuckersüßtraurigen Refrain wie diesen, und wiederholt ihn nur ein einziges Mal, bevor die zweite Hälfte des Songs in Dunkelheit versinkt.
Was gefällt sonst so? Die Vorab-Singles von Alt-J, Jamie-T und Jessie Ware machen Vorfreude auf die Alben. Grimes ist eh die Coolste, und der Rest sind gute (bis megagute) Einzelsongs.

Zweimal verschlug es mich in die Museen dieser Stadt: Im sehr hübschen (Fassade ,Räume) aber unfreundlichen (Aufseher, Fotoverbot) Museum Brandhorst sind zur Zeit Fotografien von Richard Avedon aufgehängt. Portraits von bekannten Persönlichkeiten und teilweise auch etwas ernster. Schwarzweiß. Schön. Für einen Euro kann man das Sonntags mal anschauen.

Das Lenbachhaus tut gerade so, als gäbe es eine Riesen-Sonderausstellung zur Neuen Sachlichkeit. Tatsächlich gibt es eine eher kleine Sonderausstellung zur Neuen Sachlichkeit. Oder ich hab es nicht verstanden. Jedenfalls befindet sich die Ausstellung in nur einem Raum, und selbst darin kennt man viele Bilder schon aus der Sammlung. Der gezeigte Stummfilm „Menschen am Sonntag“ aus dem Jahre 1930 war aber sehenswert. Und der Rest ja auch, weil nebenan der Blaue Reiter und überhaupt alles andere ist ja auch toll.

Zu guter Letzt noch Julie Byrne mit Gitarre irgendwo in München veranstaltet von Hauskonzerte. Davor Manel Rodriguez, ebenfalls mit Gitarre, aber nicht so griff- und textsicher. Trotzdem schöne Stimmen, diese beiden. Ach mist, das war ja schon im September. Egal.

Hauskonzerte
Manel Rodriguez somewhere in Munich.

Nebenan ist übrigens gerade der Wiesnaufbau in den letzten Zügen. Wiesnaufbau mag ich. Wiesn nicht so.

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Wiesnaufbau. Oh je.

 

Think of this as a window – Erinnerungen an das Kunstareal-Fest

Insbesondere vor einem Ereignis wie dem Oktoberfest ist es wichtig, sich noch mal den kulturellen Status seiner Stadt bewusst zu machen. Da kommt so ein Kunstareal Fest gerade recht, bevor eine Woche später dann alles im Bier- und Trachtenwahn versinkt. Zur Wiesn-Halbzeit hole ich jetzt den passenden Blogpost nach um mir während der Recherche bewusst zu werden: Es kommen auch wieder andere Zeiten.

Das Kunstareal Münchens umfasst all die Museen und Universitätseinrichtungen, die sich in der Maxvorstadt um den Königsplatz herum scharen. Wie unglaublich großartig das ist, kann man schon erahnen, wenn man im Sommer über die weiten Flächen zwischen den riesigen Museumsbauten schlendert, aber so richtig bewusst wird es einem spätestens beim Kunstareal Fest: Dann sind alle Museen offen und kostenlos, riesige Glitzer Eier werden von alten Männern in weißen Kleidern über die Wiese gefahren, Ufos werden von Kindern gejagt und die Straßen sind voller Buden und kunstbegeisterter Menschen, von denen die Mehrzahl nicht betrunken ist. Da die Pinakotheken und das Museum Brandhorst ja jeden Sonntag für 1 Euro zu besichtigen sind, haben wir uns das vor Kurzem neu eröffnete Lenbachhaus ausgesucht. Mehr als ein Museum schafft man eh nicht an einem Tag. Wir merken bei unserem ersten Besuch schnell: Selbst das Lenbachhaus alleine schafft man nicht an einem Tag. Da ist wohl demnächst eine Jahreskarte fällig. Alleine schon weil die Räumlichkeiten so schön sind. Wenn es Betten gäbe, würde man gar nicht mehr raus wollen. Und die Ausstellungen sind auch hübsch zusammengestellt: Neben zahlreichen Werken aus dem 19. Jahrhunderts liegt der Schwerpunkt des Museums auf der Moderne (Blauer Reiter, Neue Sachlichkeit, …) bis hin zu allerhand zeitgenössischem (Gerhard Richter, Wolfgang Tillmanns, …). Und ja, ich musste auch das Wirbelwerk von Ólafur Elíasson fotografieren. Wie jeder.

kunstareal München 1 kunstareal München 2

Über die anderen Museen haben wir dann mal drüber hinweg gesehen. Vom Dach der TUM aus. Dort befindet sich das Café Vorhoelzer, das zwar gut, aber leider nicht gut genug versteckt ist für die Heerscharen von Kunstareal-Besuchern. Aber die Aussicht ist trotzdem hervorragend.

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Letztes Ziel des Tages: Die Schaustelle. Ein riesiges begehbares Gerüst-Ungetüm, das während der Renovierung der Pinakothek der Moderne als Ersatz-Plattform für allerhand künstlerisches gedient hat. Leider bereuen wir jetzt, dass wir erst am Tag vor dem Abbau vorbeikommen. So werden uns nur noch die Überreste von dem präsentiert, was die in den Tagen zuvor passiert ist: Die Künstlergruppe Kapitael Zwei Kolektif hat die Schaustelle in einen von einem Computerprogramm kontrollierten Staat umfunktioniert, der ein paar Dutzend jungen Menschen zehn Tage lang als Heimat gedient hat. Interessantes Experiment.

kunstareal München 5 Kunstareal München 6 Kunstareal München 7 Kunstareal München 8Also das nächste Mal wenn ihr genervt seid von Lederhosen und Biergeruch in der überfüllten U-Bahn, denkt daran: München kann mehr.