Archiv der Kategorie: München

Münchner Wirte verärgern Allergiker

Allergiker-Verordnung verärgert Wirte“ titelte sueddeutsche.de am gestrigen Tage. Bis dato hatte mich noch nie ein Artikel im Internet dazu veranlasst einen Leserkommentar schreiben zu wollen. Jetzt ist es passiert. Und ausgerechnet bei sueddeutsche.de, wo es keine Kommentarfunktion mehr gibt. Folglich hier mein Leserbrief als Blogeintrag.

Ich rege mich auf. Und das, obwohl der Inhalt des Artikels eigentlich ein Guter ist. Ja, sogar das Potential hat, mein Leben erheblich zu erleichtern: Die neue Allergikerverordnung. Kurz zusammengefasst: ab sofort müssen alle Restaurants die 14 wichtigsten Allergene in ihren Speisen deklarieren. Also für mich als Zölliakie-Betroffenen, der auf eine strenge Gluten-Diät angewiesen ist, von der Idee her absolut fantastisch. Was mich an dem Artikel jedoch regelrecht wütend macht, sind die darin aufgeführten Reaktionen einiger Münchner Gastronomen. Diese sind nicht nur ein Schlag ins Gesicht jedes Allergie-Betroffenen, sondern sie deuten vielmehr auf ein viel schwerwiegenderes Problem hin: Deutsche Köche haben keinen blassen Schimmer, was in ihrem Essen ist.

Jemand, der nicht ernsthaft von Allergie oder Unverträglichkeit betroffen ist, kann sich nicht vorstellen wie frustrierend es ist, aus einem Restaurant wieder hinauszugehen, weil man dort nichts essen kann. Um dann nach dem dritten Versuch im dritten Restaurant frustriert den gemischten Salat mit Öl und Essig zu bestellen. Schriftlich gibt es meistens gar keine Informationen, und der Kellner als erster Ansprechpartner hat meistens nur Fragezeichen auf der Stirn. Auch das Ergebnis der Rückfrage beim Koch ist in den seltensten Fällen wirklich vertrauenserweckend. Nachfragen werden oft als störend empfunden. Eigentlich möchte man lieber keine Gäste, die Fragen zum Essen stellen. So jedenfalls mein Eindruck, der sich in den Jahren seit meiner Zölliakie-Diagnose gefestigt hat.

Fazit: Mündliche Auskunft zu Allergenen in Deutschland endet in 90 Prozent aller Fälle mit Resignation. Jedenfalls in normalen Alltags-Restaurants, von der Pommesbude bis zum indischen Restaurant, und sehr gerne auch im deutschen Wirtshaus. In den seltensten Fällen bekommt man eine kompetente Antwort. Viel öfter bekommt man ein Achselzucken. Manchmal wird man sogar einfach stehengelassen (wie im Restaurant „Zum Ganghofer“ bei mir ums Eck).

Aber okay, dann weiß man zumindest, dass man lieber woandershin gehen sollte. Viel gefährlicher sind die Kellner/Köche/Wirte, die selbstbewusst postulieren „Nee, da ist nix drin“. Das kann man dann glauben. Oder aber man verlässt sich auf sein gesundes Misstrauen und fragt dann noch einmal etwas spezieller nach.  „Ist der Dipp glutenfrei?“ „Ja klar, der besteht nur aus Joghurt und Mayonnaise…“ „Und die Mayonnaise ist glutenfrei“ „Ja klar, Mayonnaise besteht doch nur aus Ei und Öl und…“ „Machen Sie die selber?“ „Nee, die kaufen wir fertig“ „Haben Sie die Inhaltsstoffe geprüft?“ „Nein“…. Und seitdem esse ich halt nur noch Salat mit Öl und Essig in der Kantine meiner Firma.

Dieses Beispiel ist bezeichnend für die Beziehung von deutschen Köchen zu den Zutaten ihrer Speisen, die auch in den Zitaten aus dem eingangs erwähnten Artikel mitschwingt. Allergiker-Verordnung bedeutet ganz offensichtlich für viele Gastronomen nicht, aufzuschreiben, was in ihren Speisen enthalten ist, sondern eben dies erstmal herauszufinden. Also sich mit den Inhaltsstoffen ihrer Zutaten auseinanderzusetzen. Vermutlich zum ersten Mal in ihrem Leben.

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Sieben Stunden Urlaub

Münchner mögen ja bekanntlich München, weil man so schnell von dort weg kommt. Obschon ich dies meist als Armutszeugnis für die Stadt interpretiere, so juckte es mich am letzten Sonntag dann doch mal, diesen Vorteil Münchens so richtig auszukosten. Raus aus München. Rein in die Natur.
Und was soll ich sagen? Ich bin heute, drei Tage später, immer noch maximal euphorisch, was man von München aus in 7 Stunden und mit knapp 20 Euro so alles erleben kann.
Und dabei habe ich erst kurz nach dem Frühstück den Gedanken entwickelt, den vielleicht letzten warmen Sonntag des Jahres in der Natur zu verbringen. Also kurz nach einer nahen und einfachen Route mit schöner Aussicht gegoogelt, Proviant eingepackt, Wanderschuhe und Softshelljacke an und: Go!

Ein minimaler Urlaub mit maximalem Glücksgefühl als bebildertes Zeitprotokoll.

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Farbenladen gegen Sonntagsmüdigkeit

Auf dem Weg zum Feierwerk kommt man meistens am Farbenladen vorbei. Und dann geht man meistens nicht rein, weil man ja auf dem Weg zum Feierwerk ist. Großer Fehler. Seit Sonntag weiß ich: Man sollte reingehen. Sonntag, mit seinen Wolken, und seiner Sonne, und seinem Wind, und dieser unendlichen Sonntagsmüdigkeit – Fast wäre ich auf dem Sofa versackt. Aber dann die Idee: Aufraffen, Spazierengehen, da war doch was mit Fotos im Farbenladen. 15 Minuten Gehzeit und schon mittendrin in der kleinen aber feinen Ausstellung „Aufgeschlossen“, die hinter die Fassaden Münchens blickt. Während der Ausstellung ist der Farbenladen jeden Samstag (16h-22h) und Sonntag (16h-20h) geöffnet. Was für eine sympathische Örtlichkeit. Es gibt Getränke und Kuchen und sogar ein Drumherum-Programm, über das die Facebook-Seite der Veranstaltung informiert. Ich empfehle jeden, sich das mal anzusehen. Mindestens Sonntags.

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DOK.fest München mit Nick Cave

Oh, es ist ja DOK.fest – Da wolltest du doch letztes Jahr schon hin und hast es nicht geschafft. Oh, eine Dokumentation über Nick Cave – Mit dem wolltest du dich doch immer mal näher beschäftigen. Oh, im Arri-Kino – So ein richtiges High-Tech Abnahmekino hast du auch noch nie besucht. Also: Wer kommt mit? Alle? Prima.

20,000 Days on Earth hat auf dem Sundance Festival 2014 Preise für beste Regie und bester Schnitt bekommen. Und die haben die Regisseure Ian Forsyth und Jane Pollard, die offensichtlich bislang immer als Duo auftreten, durchaus verdient. Nick Caves 20.000ster Tag wird sehr schön in Szene gesetzt. Mit tollen Bildern, viel meist ruhiger Atmosphäre, schönen Live-Aufnahmen und alles sehr detailverliebt und überhaupt liebevoll geschnitten. Und Nick Cave ist schon eine relativ coole Sau.

Insgesamt ein sehr inspirierender Film. Ich hör jetzt mal das letzte Album.

 

Touri-Jogging: Schlosspark Nymphenburg

Die Fahrt zum Einkaufen kann man besser nutzen, wenn man gleich die Lauf-Klamotten anzieht. Man sieht im Laden dann zwar einigermaßen bekloppt aus, aber die Münchner Parks sind einfach zu schön um immer die gleiche Runde durch den Westpark und um die Theresienwiese zu joggen. Also lass ich die Joghurts im Auto schwitzen und parke das Auto direkt vorm Schloss Nymphenburg. Joggen wo andere Urlaub machen. Nennt es Touri-Jogging.

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Ein guter Lauf beginnt mit Schwan.

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Der Blick vom Brunnen am Ende des Kanals zum über einen Kilometer entfernten Schloss. Bisher kannte ich das nur mit verpackten Figuren und ohne Wasser. Schweiss und Gänsehaut beim Vorbeilaufen.

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Idylle mit Badenburg.

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Jeder gute Park braucht seinen Monopteros. Leider keine Zeit zum hinsetzen.

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Zehn Kilometer Sightseeing in einer Stunde sehen in Runtastic dann so aus.

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Ich mag Warpaint anders als Du

Ich liebe Warpaint. Aber wieso diese ganzen Menschen in der seit Monaten ausverkauften Freiheiz-Halle Warpaint lieben, erschließt sich mir nicht. Ich liebe Warpaint in erster Linie, weil Undertow ein fantastischer Song ist, und weil ich sie einst in Göteborg sah, way out west, gehüllt in dichten blauen Nebel, Lautstärke und Gänsehaut. Keine Frauen, sondern Silhouetten mystischer Wesen aus purer Atmosphäre.
Die Menschen in der Freiheizhalle waren damals größtenteils nicht dabei. Vielleicht haben sie Warpaint irgendwo anders gesehen. Aber doch nicht alle. Ich vermute eher, sie haben eine der überschwenglichen Kritiken zum neuen Album gelesen. Ja und dann? Dann haben sie es angehört und abgefeiert? Alle diese Leute in der Freiheizhalle? Bemerkenswert. Also Pop-Musik klingt anders. Selbst ich tu mich mit der Platte schwer. Okay, ein paar Songs sind echt ganz gut, aber die Produktion macht den Zugang wirklich leicht.
Ich mit meiner vernebelten Warpaint-Vergangenheit hab mich trotzdem wie bekloppt aufs Konzert gefreut. Und siehe da auch die neuen Songs sind live super. Aber dann kommt Billie Holiday und Undertow und Elephant und sind noch viel besser. Und es ist fast schon wieder Göteborg. Nur ohne Nebel leider. Dafür eine Stunde und 35 Minuten. Und man kann halt jetzt erkennen, dass die mystischen Wesen ganz sympathisch und so gar nicht wie richtige Musikerinnen wirken. Vielleicht liebe ich Warpaint auch deshalb.
Und ihr?
Warpaint Munich

Lustigerweise hab ich zweimal Billie Holiday mitgefilmt, also jetzt der ultimative Warpaint-Vergleich: Billie Holiday 2014 in München

Und Billie Holiday 2011 in Göteborg

Ach ja, bei Haim (gleicher Ort, vier Tage vorher) hab ich mich weniger gewundert, dass die Halle voll war.
Haim Munich

Was passierte (Der späte Blogpost fängt bestimmt keinen Wurm)

So einiges ist passiert inzwischen. So viel, dass ich kaum Zeit hatte darüber zu berichten. Da das meiste davon jetzt eh schon vorbei ist, und somit der Blogpost nichtmal als Tip-Sammlung durchgeht jetzt alles im Schnelldurchlauf.

Zimmer frei im Hotel Mariandl ist eine jährlich stattfindende Kunstaktion. Junge wilde Künstler machen wilde Sachen mit hübschen Hotelzimmern in einem hübschen Hotel. Unbedingt nächstes Jahr wieder hingehen. Oder vorher mal ins Café des Hotels. Sieht nett aus. Man könnte auch die Familie dort einquartieren. Wenn die Kunst wieder raus ist.

Viel-Mariandel

Dann wurde wild getanzt bei Chvrches im Strom.

Viel-Chvrches

Dann große Uhrmacherkunst bei der Patek Philippe Ausstellung in der Kunsthalle.

Viel-Patek

Dann gleich am ersten Wochenende zur eher kleinen aber sehr sehenswerten Ausstellung von Jeff Wall in der Pinakothek der Moderne.

Viel-JeffWall

Und wenn man schonmal da ist gleich die Traumbilder angeschaut. Einiges davon war zwar schon bekannt, aber alleine schon wegen der Fotos aus den Wohnräumen des Herrn Wormland lohnend. Da erscheint gleich alles nochmal in neuem Licht.

Viel-Traumbilder

Und dann gab’s noch die Sache mit dem verendeten Elefanten am Kaugummiautomaten.

Viel-Elefant

Och herm.

Armes München – Gentrifizierung und Entmietung kann Spaß machen

München kann ja vieles sehr gut. Zum Beispiel Museen bauen. Und Volksfeste feiern. Und vielleicht sogar generell alles was mit Geld zu tun hat und reichen und angepassten Leuten Spaß macht.

Manches kann München nicht so gut. Zum Beispiel moderne Ladenöffnungszeiten. Oder Kioskkultur. Das ist nicht so schlimm, daran kann man sich gewöhnen. Woran ich mich aber ganz und gar nicht gewöhnen kann: München versagt meist völlig dabei, die Stadt auch für Leute lebenswert zu erhalten, die nicht in das Muster „reich und angepasst“ hineinpassen. Was ja sehr schade ist, wenn man bedenkt, dass dies ja eigentlich für die meisten Menschen gilt. Selbst in München.

Diese – nennen wir sie mal – Durchschnitts-Bürger müssen sich zur Zeit – und ich spreche da aus eigener Erfahrung – auf den Kopf stellen, um eine bezahlbare und trotzdem einigermaßen nette Wohnung in Zentrumsnähe zu bekommen. Und werden damit zum Teil des Problems, denn wir frisch Zugereisten akzeptieren ja diese hohen Mietpreise. Wenn wir es nicht tun, dann tut es halt jemand anderes. Die Verhandlungsposition ist halt denkbar ungünstig, wenn man einer von ca. 30 potentiell geeigneten Miet-Interessenten (oder besser: Miet-Bewerbern) ist. Das begreift man spätestens wenn man die fünfte Absage für eine Wohnung bekommen hat. So steigt der Grad der Selbsterniedrigung in Form von Makler-Schleimereien und schwülstigen Mietbewerbungen mindestens so rasant wie die Mietpreise. Und wenn ICH mich schon hilflos fühle gegen diese Übermacht aus Maklern, Vermietern und Immobiliengesellschaften, dann möchte ich nicht wissen, wie sich eine Rentnerin fühlt. Oder eine alleinerziehende Mutter. Oder allgemein jemand mit einem Unter-Durchschnittsjob, der auf die wahnwitzige Idee kommt, trotzdem in der Stadt wohnen zu wollen.

Solche Leute (genau wie ich) würden wer weiß was dafür geben, wenn Sie eine Wohnung hätten, wie sie in dem Haus in der Pilotystraße Nummer 8 zu finden ist. Und das gleich mehrfach. Und jede von ihnen steht schon seit Jahren leer: Riesige Altbaupaläste in traumhafter Lage. Natürlich arg renovierungsbedürftig nach Jahren des Leerstandes. Warum in ihnen mit hoher Wahrscheinlichkeit niemals mehr jemand wohnen wird, und warum wir normalen Leute allgemein von der Stadt München eher wenig Hilfe bei der Wohnungssuche erwarten können, macht die Aktionsgruppe Goldgrund am Sonntag nachmittag sehr eindringlich bewusst. Kurzerhand wird eine für das Atomic Cafe angekündigte Kunstaktion in die Pilotystraße verlegt. Selbst Bayrischer Rundfunk (Beitrag hier) und Süddeutsche berichten darüber (weshalb ich mir jetzt Details spare), was wohl auch wesentlich an der hohen Prominentendichte lag. Außer Jochen Busse und Sabine Nallinger (die ein paar brauchbare Ideen zum Thema zu haben scheint) habe ich natürlich niemanden erkannt, aber ich habe im Nachgang gelesen, dass auch Mehmet Scholl, die Hälfte der Sportfreunde Stiller und ein Typ namens Gerhard Polt (ja, ich habe noch Nachholbedarf was Münchner Kultur betrifft) anwesend waren. So wuseln dann einige Hundert freundliche Menschen durch die Stockwerke von Haus und Hinterhaus, und lassen sich von Musik-Performances und Kabarett, die Laune aufbessern, die ihnen zwischendurch von den diversen Informationsständen zu Gentrifizierung und Entmietung immer wieder versaut wird. Die Stimmung ist deshalb trotz des ernsten Themas super – ungefähr genauso freundlich und entspannt wie sie im Atomic Cafe, München 72, Ruby Bar, Cafe Gap und (vermutlich auch) der Fraunhofer Schoppenstube immer war. Leider sind freundliche und entspannte Orte offensichtlich die ersten Opfer der Gentrifizierung. Es ist ein Jammer, dass die Stadt München den Wert dieser Orte so wenig schätzt.

Ich erwarte, dass eine Stadtregierung sich nicht selbst wie ein Immobilienhai verhält, sondern dass sie sich schützend zwischen ihre Bürger und die Haie stellt. Ich will keine Ausreden hören, wie sie zum Beispiel in der Stellungnahme zur Petition gegen den Luxusneubau in der Franhoferstraße zu lesen sind. Es ist erbärmlich, wenn eine Stadt so tut, als sei sie hilflos gegen ihre eigene Verschandelung. Wenn sie wirklich aktuell keine Handhabe hat, dann muss sie diese halt schaffen. Oder zumindest das Gefühl vermitteln, dass sie auf der Seite ihrer Durchschnitts-Bürger steht. Manchmal habe ich eher das Gefühl, der Durchschnitt ist ihr nicht gut genug. Armes München.

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Niemand versteht Anna von Hausswolff

Anna von Hausswolff 1

Ihr werdet es nicht verstehen. Wenn ihr nicht da wart, werdet ihr es nicht verstehen. Ein Video kann die dröhnende Spannung nicht lange genug aufrecht erhalten. Ihr werdet weggeklickt haben, noch bevor bei 3 Minuten 22 Sekunden die erste Melodie einsetzt.Und selbst wenn ihr bis dahin durchhaltet: Eure Anlage ist nicht laut genug, um euch auf dem schwarzen Meer von Tönen und Spannung treiben zu lassen. Nicht laut genug, für die Gänsehaut bei den ersten Snare-Schlägen. Aber ihr habt ja auch nicht die Lieder gehört. Ihr wartet nicht auf diese kleinen sakralen Orgelmelodien, die hin und wieder aus den dunklen Fluten auftauchen. Nach denen man tauchen muss. Euer Herz sehnt sich nicht danach, im Strudel zwischen Melodie und Atmosphäre zerrissen zu werden. Alles was bleibt ist ein Seufzen. Und ein Lächeln. Denn diese Schwedin mit ihrer Band ist nicht nur fantastisch, sondern auch freundlich. Aber ihr werdet es nicht verstehen.

Ich war da.


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Winterelfen in schwarzem Samt

Nur eine Woche nach dem letzten Hauskonzert folgt heute schon das nächste. Somewhere ist diesmal (wieder) die Marsstraße, wo ungefähr  50 Menschen den Boden einer kleinen Hinterhof-Baracke in feinster Tetrismanier ausfüllen, um sich von zwei kleinen Elfen verzaubern zu lassen. Pascal Pinon waren eigentlich nur auf der Suche nach einem Proberaum in München, um den Tag vor der Tour noch einmal üben zu können, wurden aber prompt zu einer kleinen Show verdonnert.

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Ach und wie bezaubernd das war. Zwei schlacksige isländische Mädchen in schwarzen Samtkleidern. Mit ihrer herrlich unbeholfenen Art. Mit Gitarren, so vorsichtig gezupft, dass das Publikum kaum zu Atmen wagt. Mit atmosphärischem Knistern vom Kassettenrekorder. Mit zarten Stimmen, die sich seufzend eng aneinanderschmiegen. Mit einer Melancholie, wie sie wohl nur in den dunklen Wintern Islands entstehen kann. Die Stimmung auf und vor der Bühne ist trotzdem blendend, nicht nur wegen der hin und wieder eingestreuten und bemerkenswert charmant vorgetragenen Verspieler. So macht Wintermelancholie Spaß.

Und morgen geht’s gleich weiter mit einer nicht minder melancholischen Anna von Hauswolff im Orangehouse. Der Winter kann kommen. Ich weiß jetzt, wie man damit umgeht.

Oh, es schneit schon.