Archiv der Kategorie: Kultur

Gedanken zum Tanz

Das Licht geht aus, und im Halb- bis Fastganzdunkel erscheint ein fastganzschwarzer hautenger Overall und reicht mir die Hand, zieht mich und meine Gedanken hinaus aus dem unbequemen Sessel und schleift uns über den Boden des ungemütlichen Carl Orff Saals bis hinauf auf die spärlich beleuchtete Bühne. In diese andere Welt. Die Welt von Sharon Eyal, Gai Behar und diesen wahnsinnig guten Tänzern der L-E-V Company. Warum ich hier sitze kann ich nicht erklären. Aber es hat vermutlich etwas mit Sehnsucht zu tun.

Nach dem Leben eines Tänzers (oder meinem romantisch verklärten Blick darauf).
Nach wilder Emotion und diszipliniertem Training.
Nach der totalen Konzentration auf diese eine Sache.
Nach den Momenten wenn sich alles zusammenfügt.
Nach der perfekten Körperbeherrschung.
Nach der vollendeten Bewegung.

Die laute Technomusik hämmert mir eine ganze Wundertüte von Sehnsüchten in meinen Kopf, während die Bewegungen und Bilder nur so an mir vorbei rasen. Nicht ganz vorbei. Ein bisschen davon halte ich fest und nehme ich mit. Aus dem Carl Orff Saal ins Westend. Applaus.

Davon abgesehen: 66 Stunden Tanz im Innenhof ist ein bisschen albern… (ergibt aber witzige Fotos)

Farbenladen gegen Sonntagsmüdigkeit

Auf dem Weg zum Feierwerk kommt man meistens am Farbenladen vorbei. Und dann geht man meistens nicht rein, weil man ja auf dem Weg zum Feierwerk ist. Großer Fehler. Seit Sonntag weiß ich: Man sollte reingehen. Sonntag, mit seinen Wolken, und seiner Sonne, und seinem Wind, und dieser unendlichen Sonntagsmüdigkeit – Fast wäre ich auf dem Sofa versackt. Aber dann die Idee: Aufraffen, Spazierengehen, da war doch was mit Fotos im Farbenladen. 15 Minuten Gehzeit und schon mittendrin in der kleinen aber feinen Ausstellung „Aufgeschlossen“, die hinter die Fassaden Münchens blickt. Während der Ausstellung ist der Farbenladen jeden Samstag (16h-22h) und Sonntag (16h-20h) geöffnet. Was für eine sympathische Örtlichkeit. Es gibt Getränke und Kuchen und sogar ein Drumherum-Programm, über das die Facebook-Seite der Veranstaltung informiert. Ich empfehle jeden, sich das mal anzusehen. Mindestens Sonntags.

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DOK.fest München mit Nick Cave

Oh, es ist ja DOK.fest – Da wolltest du doch letztes Jahr schon hin und hast es nicht geschafft. Oh, eine Dokumentation über Nick Cave – Mit dem wolltest du dich doch immer mal näher beschäftigen. Oh, im Arri-Kino – So ein richtiges High-Tech Abnahmekino hast du auch noch nie besucht. Also: Wer kommt mit? Alle? Prima.

20,000 Days on Earth hat auf dem Sundance Festival 2014 Preise für beste Regie und bester Schnitt bekommen. Und die haben die Regisseure Ian Forsyth und Jane Pollard, die offensichtlich bislang immer als Duo auftreten, durchaus verdient. Nick Caves 20.000ster Tag wird sehr schön in Szene gesetzt. Mit tollen Bildern, viel meist ruhiger Atmosphäre, schönen Live-Aufnahmen und alles sehr detailverliebt und überhaupt liebevoll geschnitten. Und Nick Cave ist schon eine relativ coole Sau.

Insgesamt ein sehr inspirierender Film. Ich hör jetzt mal das letzte Album.

 

Was passierte (Der späte Blogpost fängt bestimmt keinen Wurm)

So einiges ist passiert inzwischen. So viel, dass ich kaum Zeit hatte darüber zu berichten. Da das meiste davon jetzt eh schon vorbei ist, und somit der Blogpost nichtmal als Tip-Sammlung durchgeht jetzt alles im Schnelldurchlauf.

Zimmer frei im Hotel Mariandl ist eine jährlich stattfindende Kunstaktion. Junge wilde Künstler machen wilde Sachen mit hübschen Hotelzimmern in einem hübschen Hotel. Unbedingt nächstes Jahr wieder hingehen. Oder vorher mal ins Café des Hotels. Sieht nett aus. Man könnte auch die Familie dort einquartieren. Wenn die Kunst wieder raus ist.

Viel-Mariandel

Dann wurde wild getanzt bei Chvrches im Strom.

Viel-Chvrches

Dann große Uhrmacherkunst bei der Patek Philippe Ausstellung in der Kunsthalle.

Viel-Patek

Dann gleich am ersten Wochenende zur eher kleinen aber sehr sehenswerten Ausstellung von Jeff Wall in der Pinakothek der Moderne.

Viel-JeffWall

Und wenn man schonmal da ist gleich die Traumbilder angeschaut. Einiges davon war zwar schon bekannt, aber alleine schon wegen der Fotos aus den Wohnräumen des Herrn Wormland lohnend. Da erscheint gleich alles nochmal in neuem Licht.

Viel-Traumbilder

Und dann gab’s noch die Sache mit dem verendeten Elefanten am Kaugummiautomaten.

Viel-Elefant

Och herm.

Ausstellungseröffnungen im Haeppi Piecis und wieder mal Hauskonzerte

Haeppi Piecis ist ein reichlich bescheuerter Name, aber man kann ihn erklären. Mach ich jetzt aber nicht. Es hat etwas mit den Geschäftsräumen in der Maximilianstraße 33  zu tun, die zur Zeit durch einen temporären Design Concept Store mit eben jenem bescheuerten Namen genutzt werden. Uuuh, Maximilianstraße, könnte man denken. Sollte man aber nicht. Denn sonst entgehen einem so unterhaltsame Ausstellungen, wie die, die gestern eröffnet wurden. Gleich zwei. Eine oben, eine im Keller.

Insgesamt zeigen über ein Dutzend junger Künstler aus München (oben) und sonstwo (Keller) entweder ernstgemeinte (oben) oder experimentelle (Keller) Kunst. Der Keller gewinnt, weil er a) ein wenig gruselig und b) mehr Underground (haha) ist. Die Kuratoren haben auch einen winzigen Kunstbuchverlag namens Hammann & Von Mier. Das sollte man mal beobachten.

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Anschließend ging’s gleich weiter zum nächsten Somewhere in Munich Konzert, weil das ist ja bekanntlich Pflichttermin. Auf den Geschmack der Veranstalter von Hauskonzerte.com kann man sich verlassen. Der Ort des Geschehens war mal wieder Bombe: Diesmal sind wir 10 Minuten durch das um diese Zeit noch ausgestorbene Kultfabrik-Gelände geirrt, um endlich im hinteresten Winkel die Werkbox zu finden. Werkbänke, Holz, Maschinen, und mittendrin ein paar von Omas alten Teppichen und Lampen, die die Bühne bildeten, und um die herum es sich dann ca. 100 junge Menschen gemütlich machten. Draußen der erste Vorgeschmack auf Wintertemperaturen, drinnen Wohnzimmeratmosphäre dank Heizpilz. Und dann Musik. Rosalie von Rosalie und Wanda singt moderne Chansons und macht dabei unglaubliche Dinge mit ihrer Stimme. Bei der Hälfte der Songs leider sogar zu unglaubliche Dinge, aber der Rest macht Spaß. Live jedenfalls. Von Platte hör ich mir das nicht an. Der Held des Abends ist ein Typ aus Manchester namens Magic Arm aus Manchester, der, hin und wieder begleitet von einem anderen Typ namens Ben, unglaubliche Dinge mit seinen Fußpedalen macht. Gitarre, Loop, Mundharmonika, Loop, Gesang, Loop, Synthesizer, LoopLoop, Einschalten, Ausschalten, Klickklick, und dann Ben mit Oboe und Schlagzeug… Und oh Wunder: heraus kommen tatsächlich schöne Songs. Kann man sich, wie heute morgen beim Frühstück verifiziert, sogar sehr gut auf Platte anhören. Ach ja, der Bayrische Rundfunk war auch da, mit Kameras. Hoffentlich bemerkt das niemand, es wäre schade um die Gemütlichkeit auf den Hauskonzerten.

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Think of this as a window – Erinnerungen an das Kunstareal-Fest

Insbesondere vor einem Ereignis wie dem Oktoberfest ist es wichtig, sich noch mal den kulturellen Status seiner Stadt bewusst zu machen. Da kommt so ein Kunstareal Fest gerade recht, bevor eine Woche später dann alles im Bier- und Trachtenwahn versinkt. Zur Wiesn-Halbzeit hole ich jetzt den passenden Blogpost nach um mir während der Recherche bewusst zu werden: Es kommen auch wieder andere Zeiten.

Das Kunstareal Münchens umfasst all die Museen und Universitätseinrichtungen, die sich in der Maxvorstadt um den Königsplatz herum scharen. Wie unglaublich großartig das ist, kann man schon erahnen, wenn man im Sommer über die weiten Flächen zwischen den riesigen Museumsbauten schlendert, aber so richtig bewusst wird es einem spätestens beim Kunstareal Fest: Dann sind alle Museen offen und kostenlos, riesige Glitzer Eier werden von alten Männern in weißen Kleidern über die Wiese gefahren, Ufos werden von Kindern gejagt und die Straßen sind voller Buden und kunstbegeisterter Menschen, von denen die Mehrzahl nicht betrunken ist. Da die Pinakotheken und das Museum Brandhorst ja jeden Sonntag für 1 Euro zu besichtigen sind, haben wir uns das vor Kurzem neu eröffnete Lenbachhaus ausgesucht. Mehr als ein Museum schafft man eh nicht an einem Tag. Wir merken bei unserem ersten Besuch schnell: Selbst das Lenbachhaus alleine schafft man nicht an einem Tag. Da ist wohl demnächst eine Jahreskarte fällig. Alleine schon weil die Räumlichkeiten so schön sind. Wenn es Betten gäbe, würde man gar nicht mehr raus wollen. Und die Ausstellungen sind auch hübsch zusammengestellt: Neben zahlreichen Werken aus dem 19. Jahrhunderts liegt der Schwerpunkt des Museums auf der Moderne (Blauer Reiter, Neue Sachlichkeit, …) bis hin zu allerhand zeitgenössischem (Gerhard Richter, Wolfgang Tillmanns, …). Und ja, ich musste auch das Wirbelwerk von Ólafur Elíasson fotografieren. Wie jeder.

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Über die anderen Museen haben wir dann mal drüber hinweg gesehen. Vom Dach der TUM aus. Dort befindet sich das Café Vorhoelzer, das zwar gut, aber leider nicht gut genug versteckt ist für die Heerscharen von Kunstareal-Besuchern. Aber die Aussicht ist trotzdem hervorragend.

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Letztes Ziel des Tages: Die Schaustelle. Ein riesiges begehbares Gerüst-Ungetüm, das während der Renovierung der Pinakothek der Moderne als Ersatz-Plattform für allerhand künstlerisches gedient hat. Leider bereuen wir jetzt, dass wir erst am Tag vor dem Abbau vorbeikommen. So werden uns nur noch die Überreste von dem präsentiert, was die in den Tagen zuvor passiert ist: Die Künstlergruppe Kapitael Zwei Kolektif hat die Schaustelle in einen von einem Computerprogramm kontrollierten Staat umfunktioniert, der ein paar Dutzend jungen Menschen zehn Tage lang als Heimat gedient hat. Interessantes Experiment.

kunstareal München 5 Kunstareal München 6 Kunstareal München 7 Kunstareal München 8Also das nächste Mal wenn ihr genervt seid von Lederhosen und Biergeruch in der überfüllten U-Bahn, denkt daran: München kann mehr.

 

Kylian und Beuys und Fidlar in München

Wenn man von Aachen in die große Stadt zieht, dann will man was erleben. Oder es zumindest können, bei Bedarf.  Letztes Wochenende war Bedarf.

Freitag

Das Wochenende beginnt tief unter der Staatsoper, wo Jiri Kylians Zugvögel-Inszenierung beginnt. Also werden halt erstmal einige hundert Publikumsgäste von gefühlt ebensovielen Staatsoper-Aufpassern durch die teils dunklen, teils engen, aber immer liebevoll mit Vogelmenschen vollgepropften Gänge geleitet. Je länger die Führung dauert, desto eindrucksvoller die Atmosphäre, die dann  in der schummrig beleuchteten Hydraulik-Maschinenhalle unter der Bühne ihren Höhepunkt erreicht. Oder zumindest denkt man das, bevor man wenig später durch eine Luke auf die Bühne tritt und vor lauter Staunen und Gänsehaut sich spontan ärgert, nicht Balletttänzer geworden zu sein.

Nachdem ich wieder halbwegs bei Sinnen und auf meinem Platz war, dann trotz Verwarnung noch ein Foto verwackelt.

Leuchter Staatsoper

Die sich anschließende Tanzdarbietung war übrigens auch hervorragend und zudem sehr unterhaltsam mit Film und Effekten beladen. Einen kleinen Eindruck gibt’s im offiziellen Trailer der Staatsoper.

Samstag

Nach dem Shopping auf einen Hatsuzumi Tee und fleischloses Asien-Allerlei ins Tushita Teehaus (war schön) und später auf einen Club Mate und konzeptloses Musik-Allerlei ins Atomic (war eher nicht schön).

Sonntag

Sonntags darf man sich für einen Euro den totalen Kunst-Overload in der Pinakothek der Moderne abholen und sich über Titel von Beuys-Zeichnungen freuen.

Beuys

Da man sich nach Museumsbesuchen immer unheimlich inspiriert vorkommt noch ein paar iPhone-Ergüsse von mir:

Der Abschluss des Wochenendes wurde gekrönt vom Introducing-Konzert im Hansa 39.

PS I Love You hatten abgesagt, was ich wegen der Unerträglichkeit der Band jetzt nicht wirklich dramatisch finde, aber wer weiß – vielleicht wär’s ja live lustig gewesen. In jedem Falle besser als die Ersatzband Vimes, aber wahrscheinlich lange nicht so gut gelaunt wie Shields aus Newcastle.

Danach muss dann jemand unbemerkt das Publikum ausgewechselt haben. Intro meint wohl, die weichgespülten Indiekids von heute könnten mal ein wenig schrofferen Sound vertragen. Danke, Fidlar, äußerst erfrischend. Fingerpointing zum Suburban Home Cover und ich bin wieder 17. Geil. (Mit 17 sagt man geil)

PS: Der nächste Blogeintrag wird kürzer. Aber hey, dafür kenn ich jetzt ungefähr alle (!) WordPress-Funktionen.